Pflege vor Ort darf nicht kaputtgespart werden: Caritas warnt vor Versorgungslücken durch geplante Kürzung der Tarifrefinanzierung in der ambulanten Pflege


Vor der für morgen geplanten Abstimmung im Deutschen Bundestag über die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung schlägt der Caritasverband in Südwestfalen e. V. Alarm: Als Mitglied der Freien Wohlfahrtspflege in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein warnt der Verband vor den Folgen der geplanten Streichung der tariflichen Refinanzierung ambulanter Pflegeleistungen. Der Caritasverband appelliert an die politischen Entscheidungsträger, „die ambulante Pflege nicht zum Gegenstand kurzfristiger Sparmaßnahmen zu machen“ und die Versorgung pflegebedürftiger Menschen sowie faire Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte nicht zu gefährden.
Sollte die tarifliche Refinanzierung ärztlich verordneter Leistungen in der ambulanten Pflege tatsächlich gestrichen werden, drohen gravierende Folgen für die pflegerische Versorgung der Menschen in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein. Mit rund 2.200 Mitarbeitenden gehört der Caritasverband in Südwestfalen e. V. zu den größten sozialen Arbeitgebern der Region. Täglich begleiten und versorgen die ambulanten Dienste des Verbandes Menschen in ihren eigenen vier Wänden – oftmals in ländlichen Gebieten, in denen Alternativen nur begrenzt vorhanden sind. Die geplanten Reformen würden genau diese wohnortnahe Versorgung gefährden.
Versorgung der Menschen steht auf dem Spiel
Betroffen wären insbesondere Leistungen der häuslichen Krankenpflege nach dem Sozialgesetzbuch V. Dazu gehören unter anderem Wundversorgungen, Kompressions-behandlungen oder die Unterstützung bei chronischen Erkrankungen.
Nach den aktuellen Plänen sollen tarifliche Lohnsteigerungen in diesem Bereich künftig nicht mehr vollständig refinanziert werden.
„Die ambulante Pflege ist das Rückgrat der Versorgung vieler älterer, kranker und pflegebedürftiger Menschen. Wenn die Finanzierung fairer Löhne wegfällt, geraten viele Dienste wirtschaftlich unter Druck. Das trifft am Ende vor allem die Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind“, warnt Christoph Becker als Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes in Südwestfalen. Gerade in den Flächenregionen Olpe und Siegen-Wittgenstein seien ambulante Pflegedienste unverzichtbar. Lange Fahrtwege, steigende Mobilitätskosten und der hohe Personalaufwand gehörten hier zum Alltag. Gleichzeitig werden immer mehr medizinische und pflegerische Aufgaben aus den Krankenhäusern in die häusliche Versorgung verlagert.
„Wer gute Pflege will, muss gute Arbeitsbedingungen sichern“
In den vergangenen Jahren wurde die tarifliche Bezahlung in der Pflege politisch ausdrücklich gefördert. Ziel war es, den Pflegeberuf attraktiver zu machen und dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen. Nach Auffassung der beiden Arbeitsgemeinschaften der Wohlfahrtspflege würde die geplante Gesetzesänderung diesen Weg nun konterkarieren. „Pflegekräfte tragen jeden Tag große Verantwortung für die Menschen in unserer Region. Tarifliche Bezahlung ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung dafür, Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Wer an dieser Grundlage rüttelt, verschärft den Fachkräftemangel und gefährdet die Zukunft der ambulanten Pflege“, betont auch Vorstand Matthias Vitt und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtspflege in Siegen-Wittgenstein. Bereits heute suchen viele ambulante Dienste händeringend nach qualifiziertem Personal.
Freie Träger geraten besonders unter Druck
Anders als kommunale Anbieter verfügen freie Träger wie Caritas, Diakonie, AWO oder DRK nicht über einen kommunalen Defizitausgleich. Entstehende Finanzierungslücken müssten daher unmittelbar aus den eigenen Mitteln getragen werden, was nicht geht. Erste Berechnungen gehen davon aus, dass bereits mittelgroße Sozialstationen mit zusätzlichen Belastungen von mehreren zehntausend Euro pro Jahr rechnen müssten. Dies wird dazu führen, dass Angebote eingeschränkt oder Versorgungsgebiete verkleinert werden. Für die Betroffenen hätte das spürbare Auswirkungen: Längere Wartezeiten, weniger verfügbare Pflegeleistungen und eine zunehmende Belastung von Angehörigen. Gleichzeitig würden Arztpraxen und Krankenhäuser zusätzlich unter Druck geraten.
Appell an die politischen Entscheider
Am Freitag werden die Reformvorschläge auf Bundesebene weiter beraten. Der Caritasverband in Südwestfalen appelliert für die Wohlfahrtsverbände der Region deshalb eindringlich an die politisch Verantwortlichen, die Folgen ihrer Entscheidungen für die Menschen vor Ort in den Blick zu nehmen und die geplanten Kürzungen zu verwerfen. „Eine stabile Krankenversicherung darf nicht auf Kosten der pflegerischen Versorgung finanziert werden. Wer möchte, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt zuhause leben können, muss die ambulante Pflege stärken statt schwächen. Wir erwarten, dass tarifliche Löhne auch künftig vollständig refinanziert werden und die Versorgungssicherheit in unseren Regionen gewährleistet bleibt“, betonen Christoph Becker und Matthias Vitt nachdrücklich. Es gelte, die ambulante Pflege als unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung dauerhaft zu sichern. Denn: „Gute Pflege braucht verlässliche Rahmenbedingungen – für die Beschäftigten ebenso wie für die Menschen, die auf ihre Unterstützung angewiesen sind.“
Kreis Olpe/Kreis Siegen-Wittgenstein, 11.06.2026
Janine Clemens, Unternehmenskommunikation & PR