Im Alter frei entscheiden können: SPD-Landtagskandidatin besucht Caritas-Senioren WG Am Alten Markt in Attendorn

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Im Alter frei entscheiden können: SPD-Landtagskandidatin besucht Caritas-Senioren WG Am Alten Markt in Attendorn

Eigenständig und doch getragen von einer kleinen Gruppe und der Unterstützung durch die Caritas-Mitarbeitenden, wird Lebensqualität und Privatsphäre hier groß geschrieben“, brachte es Christin-Marie Stamm, Landtagskandidatin der SPD für den Kreis Olpe, beim Besuch der Caritas-Senioren-WG Am Alten Markt in Attendorn auf den Punkt. Beeindruckt vom Konzept der ambulant betreuten Wohngemeinschaft informierte sich die Kommunalpolitikerin beim Team des Caritas-Zentrums Attendorn über die Zukunft der Pflege und die Weiterentwicklung ambulanter Wohn- und Betreuungsformen. Schließlich gelte es, die Wahlfreiheit für ein möglichst selbstbestimmtes Leben und eine bestmögliche Versorgung im Alter aufrechtzuerhalten.

Darüber herrschte Einigkeit am „runden“ Tisch bei der Vorstellung der Betreuungskonzepte und vielfältigen Möglichkeiten innerhalb des Kreisverbandes durch Uli Mertens, Leiter des Caritas-Zentrums Attendorn sowie Projektverantwortlicher der ambulant betreuten Wohngemeinschaft (ABWGA) mitten im Herzen der Hansestadt. Das Caritas-Team verdeutlichte anschaulich, wie wichtig es ist, die Wahlfreiheit eines jeden Einzelnen mit Pflegekontext zu gewährleisten und Wohnprojekte wie die neu geschaffene Senioren-WG für Menschen mit Demenz am Leben zu halten. Die Forderung der Caritas an die Politik: „Wir möchten, dass alle Menschen – egal, wie sie wirtschaftlich aufgestellt sind – die Möglichkeit haben, eine betreute, ambulante Wohnform zu nutzen ohne direkt stationäre Pflege in Anspruch nehmen zu müssen“, bekräftigten auch Doris Maiworm, Hausleitung der AGWGA und Frank Decker, Pflegedienstleiter der Caritas-Station Attendorn. Jedoch sei die generelle Stimmung im Pflegebereich auf allen Seiten angespannt, da die Finanzierung eine immer belastendere Situation darstelle. Die Sorge, was passiert, wenn der eigene finanzielle Puffer aufgebraucht ist, umtreibe die Angehörigen und Pflegebedürftigen.

Betreuungspauschale für alternative, ambulante Wohnformen

Um hier eine langfristige Perspektive für ein Leben und Wohnen in einer Senioren-WG bieten zu können, sei eine Refinanzierung einer Betreuungspauschale unumgänglich. „Zumal die Unterstützungsleistungen keine Mehrbelastung darstellen, da sie sich im gleichen Rahmen bewegen wie bei einem stationären Setting“, so Uli Mertens ergänzend. Die Positionierung der Caritas für mehr Wahlfreiheit und Realisierungsmöglichkeiten von alternativen Wohnformen im Alter geht einher mit dem zielgerichteten Appell an die Politik: Mehr Unterstützung und finanziellen Input – für die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen, die irgendwann vor der Entscheidung stehen, wo der Lebensabend würdevoll und bestmöglich unterstützt verbracht werden soll. Ob die Wohnform nun stationär oder ambulant betreut sei, mache für die Refinanzierung der Unterbringung, die den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zustehen müsse, keinen Unterschied. Für die zu versorgenden Menschen allerdings schon.

Selbstbestimmt und gut aufgehoben in der Gemeinschaft

Davon konnte sich auch Christin-Marie Stamm beim Besuch in dem freundlichen Zuhause von derzeit 18 Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern überzeugen. „Hier leben die Menschen ja wirklich wie in einer richtigen Wohngemeinschaft – mit Rückzugsmöglichkeiten, Gemeinschaftsräumen, eigenen Klingeln und Briefkästen“, zeigt sich Christin-Marie Stamm begeistert von ihrem Einblick in die Senioren-WG. Renate Föhrdes, Teamleitung der Caritas-Senioren WG Am Alten Markt, begleitete ihren Ausflug in das „etwas andere WG-Leben“. Am großen Esstisch wurde gefrühstückt, Zeitung gelesen, geklönt und gesungen. Jeder sei eingeladen an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen, ein Muss ist dies aber nicht. Die Tagesstruktur bestimme jeder Mitbewohnende selbst. „Wir bieten leitende und helfende Hände, unterstützend zum ganz individuellen Leben hier“, erklärte die engagierte Mitarbeiterin. 

Wahlfreiheit – auch bezüglich der Lebens- und Wohnform – dürfe im Alter nicht aufhören, stimmte Christin-Marie Stamm den Caritas-Verantwortlichen nach ihrem Besuch in Attendorn zu: „Als Sozialdemokratin schlägt dann auch mein soziales Herz“. Die Beteiligten des wertschätzenden Dialogs waren sich einig, dass es darum gehe, „die Lebensgestaltung und -qualität für hilfebedürftige Menschen möglichst individuell zu ermöglichen und zu erhalten.“

Ergänzend zum Grundtenor „Pflege geht uns alle an!“ erhoffen sich die Caritas-Verantwortlichen von den politischen Entscheidern mehr zumutbare Lösungen und Unterstützungsleistungen, die den Menschen stärker in den Mittelpunkt rücken. Neben der Botschaft, die Finanzierung von Betreuungsformen in ambulanten Wohngemeinschaften zu sichern, hatte die SPD-Frau nun auch viel Erlebtes im Gepäck und konnte den Worten des WG-lers Herrn S. am Ende ihres Besuches nur zustimmen, als dieser in seiner Muttersprache sagte: „Molto bello qui“ – „Es ist schön hier“.

Infobox:

  • Den Schwerpunkt der „Caritas-Senioren WG Am Alten Markt“ in Attendorn bildet die Betreuung von Menschen mit Demenz. Grundvoraussetzung eines Einzuges ist ein vorliegender Pflegegrad.
  • Hier wird eine 24/7-Betreuung garantiert, die den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern sowie den Angehörigen eine beruhigende Sicherheit gibt. 
  • Auf zwei Ebenen finden in den beiden Wohngemeinschaften 22 Menschen ihr neues Zuhause.
  • Die Mitbewohnerinnen und -bewohner beziehen ihre eigene keine Wohnung mit Bad (ca. 25 qm), die sie ganz individuell einrichten können. Aktuell leben 19 Personen in der ABWGA, drei Wohnungen sind noch frei.
  • Ein liebevoll gestalteter Gemeinschaftsbereich von ca. 250 qm steht jeder WG und allen Mitbewohnenden zur Verfügung und beinhaltet neben einem großzügigen Wohnzimmer auch den Essbereich mit offener Küche.

Attendorn, 09.05.2022

Bildzeile:

Die Caritas-Verantwortlichen wünschen sich mehr finanzielle Unterstützungsleistungen und eine Anerkennung der Betreuungspauschale, um alternative Wohnformen neben der etablierten stationären Pflege für Menschen in der Region weiterhin verlässlich realisieren zu können. Christin-Marie Stamm (Mitte) von der SPD sicherte zu, die Themen in die politische Diskussion im Kreis Olpe einzubringen.