„Geschütztes Zuhause“ seit einem Vierteljahrhundert

| Alle Neuigkeiten

Drolshagen. „Ohne Angst leben, wieder zu sich finden und eine stabile Abstinenz aufbauen“ sind nur einige Maxime, die für die Unterstützungsleistungen der Drolshagener Caritas-Einrichtung gelten. Und das schon seit 25 Jahren! Das erste soziotherapeutische Wohnhaus für chronisch suchtkranke Menschen in Südwestfalen blickt auf eine lange Geschichte zurück. Über 155 Menschen wurden bislang betreut und begleitet. Unerwähnt sollte das Silberjubiläum, das Corona bedingt nicht gefeiert werden kann, daher nicht bleiben.

Ein Rückblick: Die Einrichtung des Caritasverbandes für den Kreis Olpe wurde bereits im August 1995 eröffnet. Damals noch in Wenden in der ehemaligen Pflegevorschule, dem Heinrich-Krewet-Haus beheimatet, wurde in direkter Nachbarschaft zum damaligen St. Josefs-Altenheim ein bis dahin einmaliges Angebot für die Region geschaffen. 26 Frauen und Männer mit Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit fanden hier ein neues Zuhause und wichtige Hilfs- und Unterstützungsleistungen. Denn mit dem chronischen Krankheitsverlauf sind immer auch Folgeschäden im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich verbunden, weiß die heutige Leitung des focus-Wohnhauses Herrnscheider Weg, Dipl. Pädagogin Margarethe Kufel. „Unser soziotherapeutisches Angebot beinhaltet damals wie heute neben der Alltagsbetreuung auch die Beschäftigungstherapie und Freizeitgestaltung. Die Betroffenen haben oftmals die Bindungen in Familie, Arbeit und Gesellschaft verloren. In der Gemeinschaft des Hauses sollen sie ihren Platz finden und ein möglichst individuelles Leben führen“.

Wachsende Anforderungen für mehr Stabilität und Eigenverantwortlichkeit

Im Laufe der Jahre wurde die Konzeption des Hauses neu geschrieben und angepasst. Von strengen Regeln und klinikähnlichen Strukturen ging man über zu mehr Selbstverantwortung und Eigenständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner. Auch das alte Gebäude hielt den Anforderungen des modernen Wohnens nicht mehr stand. Mit viel Unterstützung seitens der Stadt Drolshagen war es dem Caritasverband im Jahr 2002 möglich, das Grundstück am Herrnscheider Weg zu kaufen und ein modernes Wohnhaus mit sechs Wohngemeinschaften und insgesamt 24 Plätzen zu errichten. 2003 erfolgte dann der Umzug von Wenden nach Drolshagen – und 2008, als Teil des Netzwerkes focus – Wohnen und Leben innerhalb des Caritasverbandes, wurde die Einrichtung umbenannt in focus-Wohnhaus Herrnscheider Weg. Bei der Planung des Hauses stets involviert waren neben den erfahrenen Mitarbeitenden auch die WGler, auf deren Bedürfnisse stets eingegangen wird.

Grundsatz der Betreuung: Hilfe zur Selbsthilfe

Heute leben die Bewohnerinnen und Bewohner in überschaubaren Wohngemeinschaften. Neben einem individuell gestalteten Rückzugsraum für jeden einzelnen, teilt sich jede der Wohngemeinschaften Küche sowie Wohn- und Esszimmer zur gemeinschaftlichen Nutzung. Die Betreuung der hilfesuchenden Menschen wird in einem rund-um-die-Uhr Prinzip, an sieben Tagen in der Woche, von einem multiprofessionellen Team sichergestellt und begleitet. Dazu zählen Pädagogen, Erzieher, Arbeitserzieher, Pflegefachkräfte, Hauswirtschafterinnen sowie Verwaltungskräfte. Die Alltagsstruktur im focus-Wohnhaus werde in erster Linie von den einzelnen Bewohnern bestimmt und je nach Bedarf mit Unterstützung der Mitarbeitenden gestaltet. Dazu gehöre die Sicherstellung fester Zeiten für Aktivitäten wie Beschäftigungstherapie und sonstige Freizeiten, aber auch Körperpflege sowie Ruhezeiten und die geregelte Einnahme der Mahlzeiten.

„Als Team haben wir stets den Blick auf die Bewohnerinnen und Bewohner gerichtet, um ihnen ein Leben ohne Suchtmittel zu ermöglichen“. Engagierte Mitarbeitende und ein kooperierendes Team waren in all diesen Jahren der Motor der Entwicklung hin zu einer Hauskonzeption, die sich sowohl an aktuellen Erkenntnissen der Suchtforschung als auch an der stetigen Verbesserung der Wohnqualität und Beschäftigungsangebote orientiere. „Wir partizipieren aktiv am Leben in Drolshagen. Mit Aktionen wie Ausstellungen, Treffen mit Schülern, Weihnachtsverkaufstage, Gartenarbeiten und vielem mehr haben wir uns als Einrichtung in unserer Nachbarschaft etabliert“, freut sich Margarethe Kufel.

Offenes Wohn- und Beschäftigungsangebot

Uli Brehm, Erzieher am Arbeitsplatz und Mann der ersten Stunde, war am Aufbau und der Entwicklung der Einrichtung beteiligt: „Neben klassischen Unterstützungsleistungen in Alltagssituationen hat sich unser Wohnhaus auch auf Beschäftigungsangebote im Bereich Holz und Gartenarbeit spezialisiert, berichtet der engagierte Caritas-Mann. „Gerade unser Holzangebot erfreut sich regem Zulauf. Wir erledigen Auftragsarbeiten und ‚bedienen‘ auch das Lädchen in Olpe mit unseren selbst angefertigten Geschenkideen, welche dort zum Verkauf ausgestellt werden“. Das Beschäftigungsangebot Garten beinhaltet Grün- und Rasenpflege für externe Kunden sowie die Pflege der Werkzeuge und Maschinen. „Es ist schön zu beobachten, wie unsere Bewohner nach den Einsätzen wieder in die Wohngruppen gehen und freudestrahlend von ihrem Tun berichten. Das erfüllt uns jeden Tag auf’s Neue und bestärkt uns in unserer Arbeit“, so Brehm.

Margarethe Kufel ergänzt: „Für unserer WGler erhoffen wir eine selbständige Lebensführung und psychische und soziale Integration. In dem Maße, wie sie für jeden einzelnen, mit seinen vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, Sinn- und Wertbezügen und der jeweiligen Lebensgeschichte erreichbar ist. Daran arbeiten wir auch die nächsten 25 Jahre“, so die engagierte Hausleitung augenzwinkernd.

Caritas. Nah. Am Nächsten.

Olpe, 20.08.2020
Janine Clemens, Unternehmenskommunikation & PR