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„Facettenreich und mehr als nur grün“: Naturnahes Arbeiten mit viel Herzblut

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Die Begeisterung für die Arbeit im Freien, in und mit der Natur verbindet sie – ebenso der persönliche Hintergrund mit einer psychischen Erkrankung oder geistigen Behinderung. Zusammen mit den sechs Beschäftigten steht Gruppenleiter Björn Stauer in den Startlöchern für den Frühling. Denn: Die Zeit, gewerbliche und private Grünanlagen sowie kommunale Spielplätze wieder auf Vordermann zu bringen, ist gekommen. „Ärmel hochkrempeln und los geht’s“, freut sich Klaus Küper. „Wir sind ein tolles, wind- und wettertaugliches Team, das sich aufeinander verlassen kann“, bekräftigt der 52-jährige, der seit nunmehr 12 Jahren zum Gala-Team der Olper Abteilung gehört.

Es ist kurz nach acht Uhr an einem Werktag, der Morgen ist noch taufrisch, aber die Frühlingssonne kündigt sich schon an. „Jetzt starten wir“, freuen sich die Beschäftigten auf dem Hof in der Günsestraße. Nachdem der anstehende Tag mit Gruppenleiter Björn Stauer durchgesprochen ist, wird die Ausrüstung zusammengepackt und der Transporter fachmännisch mit entsprechendem Werkzeug beladen. Die nächste Baustelle wartet. Heute stehen Ast- und Baumschnittarbeiten an.„Mit der Höhe habe ich es ja nicht so“, gibt Klaus Küper zu – auch wenn er stolzer Besitzer eines Motorsägen-Führerscheins ist. Sein Steckenpferd ist das Mähen mit „seinem Gerät“, dem Aufsitzrasenmäher. Dieser wird auch schon bald zum Einsatz kommen. „In der Saison schaffe ich auch mal 6-7 städtische Spielplätze am Tag“, berichtet der Beschäftigte stolz.

Kompetente und zuverlässige Partner für regelmäßige Pflegearbeiten

Doch bevor es ab April an die Spielstätten im Freien geht, stehen Rückschnitt- und Pflegearbeiten bei ganz unterschiedlichen Kunden im Kreisgebiet an. Alles werde gerade für die „schönste Jahreszeit“ vorbereitet, berichtet die Beschäftigte Christiane Timmer. Auftraggeber für die Garten- und Anlagenpflege der Werkstatt sind neben Kommunen und Städten auch viele gewerbliche Kunden und Privatleute. „Wir sind eine Art kleines Dienstleistungsunternehmen“, so die einzige Frau im Team schmunzelnd. „Bei uns kann jeder nach seinen Fähigkeiten arbeiten“, hebt die vierfache Mutter aus Gerlingen, die schon elf Jahre zum Team gehört, hervor. Und ihr Kollege Klaus Küper ergänzt: „Was gibt es denn Schöneres, als draußen mit anzupacken und zu sehen, was man gemeinsam schafft.“

Unter Anleitung werden die Menschen mit Behinderung täglich auf die vielfältigsten Arbeitseinsätze vorbereitet und fachlich begleitet. „Wir vermitteln viele berufspraktische Kenntnisse – ob in der Arbeit mit verschiedenen Pflanzen oder im Umgang mit Gartengeräten und Kleinmaschinen“, erklärt Björn Stauer. „Für Personen, die aufgrund ihrer Erkrankung eine Tätigkeit im Freien mit viel Bewegung ausüben können und wollen, schaffen wir hier tolle Möglichkeiten“.

Sei es über Hospitationen und Praktika von außerhalb oder auch durch die Vermittlung über die berufliche Bildung innerhalb der Werkstätten – „die Menschen kommen auf unterschiedlichen Wegen zu uns“, so Abteilungsleiter Achim Scheckel. Interessierte können, wie in alle anderen Bereiche der Werkstätten auch, in den Gala-Bereich reinschnuppern und für sich herausfinden, ob die vielfältigen Tätigkeiten an unterschiedlichen Orten, mit wechselnden Anforderungen passend sind.“

„Arbeit möglich machen“ ist gelebter Leitspruch

Schließlich verlange die Arbeit den Menschen mit einer chronischen Erkrankung eine hohe Entscheidungskompetenz ab“, weiß Scheckel. Diese gehe jedoch immer einher mit einer wertvollen Förderung der Selbstständigkeit. „Die Menschen bei uns im Team möchten arbeiten, erkennen auch den Mehrwert für sich, fühlen sich aber oftmals zu beeinträchtigt, um auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein zu können“, erklärt Achim Scheckel die oftmals hemmenden Faktoren. „Hier bei uns finden sie eine geschützte Arbeitsumgebung, in welcher ihre Erkrankung akzeptiert wird und keinen Makel darstellt.“ Auch das mache für viele Beschäftigte die oftmals langjährige Tätigkeit in der Werkstatt aus.

Sollte dann doch der Wunsch und das Bestreben in Richtung sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis gehen, erhalten die Menschen mit Behinderung innerhalb der Werthmann-Werkstätten des Caritasverbandes fachkundige Begleitung auf ihrem Weg. „Unsere Leute erleben hier eine geordnete und verlässliche Tagesstruktur und erhalten viel Wertschätzung, die ihnen im Alltag oftmals verwehrt bleibt“, betont Achim Scheckel. Doch Krankheitsbild und Tagesform seien unberechenbar, „sodass es auch vorkommen kann, dass von den sechs Beschäftigten nur drei oder vier Personen ihren Arbeitstag antreten können.“ So wie an diesem Morgen.  

Bild:
Gemeinsam als Team schon viele Jahrzehnte ganzjährig im Einsatz: Sascha Ortmann, Christiane Timmer und Klaus Küper (v. li.) gehen ihrem Handwerk an der frischen Luft mit Herzblut nach.

Olpe, 04.04.2024
Janine Clemens, PR & Fundraising