Camino-Tag 2026 rückte Palliativmedizin und spirituelle Begleitung in den Mittelpunkt


Was zählt, wenn die Zeit kostbar wird? Welche Begleitung brauchen Menschen am Lebensende und was bedeutet Palliativmedizin heute wirklich? Diesen Fragen widmete sich der Camino-Tag 2026, zu dem Camino, der Hospiz- und Palliativpflegedienst des Caritasverbandes in Südwestfalen jetzt in die Festhalle Finnentrop eingeladen hatte. Unter dem Titel „Wenn die Tage kostbar werden – Palliativmedizin ist mehr als Chemo und Schmerztabletten“ wurde deutlich: Am Lebensende geht es nicht nur um Medizin, sondern vor allem um Würde, Nähe, Linderung, Zuhören und verlässliche Begleitung.
Bereits zu Beginn des Abends wurde spürbar, wofür Camino steht: Menschen werden auf ihrem letzten Lebensweg begleitet – zu Hause und in Einrichtungen der Alten- und Eingliederungshilfe. Der Name „Camino“, spanisch für „der Weg“, beschreibt dabei nicht nur den Lebensweg jedes Menschen, sondern besonders auch die Begleitung in der letzten Lebensphase.
Den medizinischen Blick auf das Thema eröffnete Dr. Andreas Heer-Sonderhoff, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin. Anschaulich machte er deutlich, dass Palliativmedizin heute weit mehr ist als reine Schmerzbehandlung. Sie nimmt den ganzen Menschen in den Blick: körperliche Beschwerden, Ängste, Belastungen und die Frage, was in der verbleibenden Zeit wirklich wichtig ist. Dabei gehe es nicht darum, Behandlung vorschnell zu beenden, sondern Therapieziele neu auszurichten und Lebensqualität in den Mittelpunkt zu stellen.
Einen eindrucksvollen zweiten Akzent setzte Pater Siegfried Modenbach vom Geistlichen Zentrum Kohlhagen. Aus Sicht der Seelsorge und spirituellen Begleitung sprach er darüber, wie wichtig es ist, Menschen mit ihren Fragen, Ängsten und Gedanken nicht allein zu lassen. Gerade am Lebensende brauche es Menschen, die da sind, aushalten, zuhören und nicht vorschnell Antworten geben. Spirituelle Begleitung bedeute dabei nicht, etwas aufzudrängen, sondern Raum zu eröffnen für das, was Menschen bewegt, trägt oder auch verunsichert.
Musikalisch wurde der Abend von Claudia Peiser-Jung am Klavier und Martin Jung an der Flöte begleitet. Die Musik gab den Vorträgen einen ruhigen und würdevollen Rahmen und ließ immer wieder Raum zum Nachdenken. Auch die Buchhandlung am Rathaus aus Finnentrop war mit einem eigenen Stand vertreten und griff das Thema des Abends literarisch auf. Die ausgewählten Bücher stießen bei den Besucherinnen und Besuchern auf großes Interesse und luden zum Nachdenken ein.
Im Anschluss nutzten die Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Der Camino-Tag 2026 machte deutlich, wie wertvoll ein gutes Netzwerk aus Medizin, Pflege, Seelsorge, Ehrenamt, Angehörigen und Bezugspersonen sowie weiteren Unterstützenden ist. Denn wenn die Tage kostbar werden, braucht es Menschen, die mitgehen. Menschen, die nicht wegsehen. Und Menschen, die helfen, dass Leben bis zuletzt lebenswert bleibt.
Finnentrop, 22.06.2026
Caterina Breuer, Camino-Verantwortliche Kreis Olpe