Nie wieder!

Meggen. Es ist mucksmäuschenstill in der Teestube der Abteilung Lennestadt der Werthmann Werkstätten. Gebannt lauschen die Beschäftigten den Worten von Regina Schmand. Die Schreibershoferin stammt von der „Erinnerungsinitiative Opfer des Nationalsozialismus Drolshagen“. Sie erzählt exemplarisch die Geschichte von Joseph Dickhoff, der als 37-Jähriger dem Euthanasie-Wahnsinn der Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Der seinerzeit in Schlade wohnhafte litt an Epilepsie und galt somit als behindert. Sein Schicksal begann damit, dass er an seinem ersten Schultag vergaß den Wasserhahn zuzudrehen. Konsequenz: Er wurde als untauglich für die Schule eingestuft. Zu Hause verrichtete er später wie selbstverständlich alle in der Landwirtschaft anfallenden Arbeiten. Im April 1944 wurde er in die Provinzheilanstalt nach Warstein deportiert und wenige Wochen später nach Marsberg, wo er im Februar 1945 laut den Überlieferungen an völliger Entkräftung starb. Welches Leid sich hinter den heute nüchtern erscheinenden Daten verbirgt, kann man kaum ermessen. Die Beschäftigten, die sich freiwillig für die Teilnahme an der Veranstaltung gemeldet hatten, waren leicht erzürnt, erschrocken und emotional berührt, über die kurze Geschichte des behinderten Mannes, der sein Leben ja auch weitgehend meisterte. Nach dem kurzen Vortrag folgte die Aussprache. Christian Dümpelmann meldete sich zu Wort. Seine Aussage traf es auf den Punkt: "Behindert sein ist Ansichtssache. Jemanden der nicht lebt wie die Anderen, kann man doch nicht einfach so abstempeln. Das ist nicht fair. Ich hatte vor 30 Jahren einen Autounfall und musste alles neu lernen, Essen, Trinken und Sprechen." Thomas Halbe, Bildungsbegleiter in den Werthmann Werkstätten sagte: "Wir müssen Stop sagen. Jeder Mensch hat die gleichen Rechte. Auch wir müssen den Mund aufmachen“

Die Behindertenhilfe des Caritasverbandes Olpe führte diese Aktion in allen Abteilungen der Werthmann-Werkstätten anlässlich des bundesweiten Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2019 durch.

Ebenso berührten die Erlebnisse der behinderten Frauen, die im heutigen Gerhardus-Seniorenhaus betreut wurden. Auch sie wurden von den Nazis nicht verschont. Die Einrichtung wurde vom Wehrkreis-Kommando für ein Krankenhaus in Beschlag genommen und die Patientinnen in Heilanstalten gebracht, wo ihr Leidensweg begann. Auch dieses Ereignis wurde angeregt diskutiert und die Erkenntnis: Mensch ist Mensch, egal welcher Nationalität, behindert oder nicht behindert.

Die Anwesenden waren der Meinung, dass alle Menschen, ob behindert oder nichtbehindert, alles dafür tun müssen, dass sich solche Geschehnisse nicht wiederholen.

Attendorn, 04.02.2019

Iris Thiele

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