Praxistag

Bild von links: Theo Selter (Abteilungsleiter), Petra Müller (Begleitender Dienst) und Andreas Mönig (Werkstattleiter)

 

Kreis Olpe: Eingeladen sind besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen, die sich wieder eine Tagesstruktur wünschen und denen Zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Sie können beim Praxistag in die Arbeit in den Bereichen Montage, Elektromontage, Digital Plus, Digitales Archivieren und Garten- und Landschaftspflege live erleben. In jedem Bereich ist ein Arbeitsplatz frei. Jeder, der schon einmal überlegt hat, ob die Arbeiten in der Werthmann-Werkstätten in Olpe oder Welschen Ennest passend sind, kann sich an dem Tag ausprobieren. Ganz ohne Antrag oder Anmeldung. Besucher können sich ganz unverbindlich einen Eindruck verschaffen, ob sie den Ansprüchen genügen und ob sie Spaß an der Arbeit haben. Gerne bieten die Werkstätten auch Praktiken an.

 „Psychisch erkrankte Menschen müssen oft Hürden überwinden, bevor sie zu uns zu kommen“, erklärte Petra Müller vom Begleitendenden Dienstes in der Werkstatt in Olpe. „Mit dem Praxistag möchten wir Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass wir gute und anspruchsvolle Arbeit für dieses Klientel möglich machen und ihnen so die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Denn es ist ein tiefer Einschnitt in das Leben, wenn ein Mensch wegen einer psychischen Erkrankung plötzlich aus dem Arbeitsleben gerissen wird. Denn damit verbunden ist auch ein sozialer Ausstieg aus der Gesellschaft.“

Häufig habe viele Interessierte in den vorhin andere Vorstellungen:

Eine examinierte Krankenpflegerin hat vor Jahren die schlimme Erfahrung gemacht. Sie war Mitte 40, als sie wegen psychischer Probleme ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte. „Ich hatte keine Aufgabe und damit keine Tagesstruktur mehr. Ich fühlte mich alleine, isoliert und wertlos“, so die Altenpflegerin. Ihre Psychiaterin gab ihr den Rat, Kontakt mit der Abteilung Olpe der Werthmann-Werkstätten aufzunehmen, wo Menschen mit psychischen Behinderungen im Arbeitsleben gefördert werden und so wieder einen angemessenen Platz in der Gesellschaft erhalten.

Doch zunächst zögerte sie. „Ich hatte ein falsches Denken. Mir schwebte vor, dass dort nur Beschäftigungstherapie betrieben wird. Bis ich mich dann doch aufraffte und das war der beste Schritt, den ich machen konnte. Inzwischen arbeite ich einige Jahre in der Olper Werkstatt und bin darüber sehr glücklich. Ich bin nach meinen Fähigkeiten gefördert und eingesetzt worden. In der Montage arbeiten wir für große Firmen aus der Region. Wir bauen Teile zusammen und verpacken sie. Die Arbeit ist anspruchsvoll, doch es gibt keinen Druck und keine Erwartungen. Jeder kann sich so einbringen, wie er es schafft. Ich habe aber gemerkt, dass mein Leistungsvermögen gewachsen ist und gehe jeden Nachmittag mit dem guten Gefühl nach Hause, etwas Sinnvolles geleistet zu haben. Das bringt mir Anerkennung und Motivation. Ich weiß, wofür ich morgens aufstehe, habe eine geordnete Tagesstruktur und durch die Teamarbeit soziale Kontakte. Und ich tue was für meine Rente, denn es werden Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Und der Hinzuverdienst ist neben der Erwerbsminderungsrente abzugsfrei.“

Die gleiche Erfahrung machte ein gelernter Industriekaufmann, der mit Anfang 40 psychische Probleme bekam und seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Auch er hatte die Tätigkeiten in den Werkstätten falsch eingeschätzt „Ich hätte nie gedacht, dass es da für mich einen Arbeitsplatz gibt und war erstaunt über die Vielfalt der Bildungsbereiche. Aufgrund meiner PC-Kenntnisse wurde ich im Arbeitsbereich Digital Plus in der Nebenstelle Welschen Ennest der Abteilung Olpe eingesetzt. Dort werden Dokumente für viele Firmen digitalisiert und archiviert. Das macht mir großen Spaß und ich bin dankbar für diese Chance. Denn dadurch konnte ich mein Selbstvertrauen wieder aufbauen. Und ich habe die Möglichkeit, wieder einen Platz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Neben der Arbeit werden wir auch sozial begleitet. Die Mitarbeiter vom Begleitenden Dienst helfen uns bei allen Problemen, egal ob es um Schulden, Suchtprobleme oder Probleme mit der Gesundheit geht. Sie unterstützen uns beim Wohnen und bei behördlichen Anträgen.“

Infos erteilen Anja Dornseifer, Tel. 02764 26133-2725, Diana Friedrichs, Tel. 02764 26133-2724, und Petra Müller, Tel. 02761 9653-2342, die neben den Abteilungsleitern der verschiedenen Arbeitsbereiche auch beim Praxistag für Gespräche bereitstehen. Petra Müller vergleicht die Tätigkeit der Werkstattmitarbeiter, die von speziell ausgebildeten Fachkräfte begleitet und gefördert wird, gerne mit dem Fliegen: „Der Mitarbeiter ist der Pilot, aber er hat jederzeit einen Co-Pilot neben sich.“

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