Der heiße Draht

von links: Michael Laukant, Diana Stelzmann und Frank Jahnke sind froh über ihre ersten elektrotechnischen Erfahrungen. Unterstützung haben sie von Kursleiter Christoph Duwe (rechts) erhalten.

Mit der Konstruktion und dem Bau des elektrischen Geschicklichkeitsspiels „Der heiße Draht“ ist jetzt fünf Beschäftigten der Abteilung Olpe der Werthmann-Werkstätten der Einstieg in die Arbeit der Elektrotechnik gelungen.

„Dieser Kurs soll die Teilnehmer experimentell an die Grundlagen der Elektrotechnik heranführen, um so ihr Interesse an einem Metier zu wecken, das ihnen unbekannt ist. Bei Interesse und Neigung ist das eine gute Vorbereitung auf eine mögliche zukünftige Mitarbeit in unseren beiden Elektromontage-Arbeitsbereichen, die ein Spektrum von einfachen bis zu komplexen Arbeitsaufgaben vorhalten. Dieser Einstieg kann auch der Startschuss für die Vermittlung auf einen sozialversicherungspflichten Arbeitsplatz sein“, erklärte Theo Selter, Abteilungsleiter der Werthmann-Werkstatt in Olpe, den Hintergrund.

Gemäß dem Leitbild „Arbeit möglich machen“ bieten die Werthmann-Werkstätten Menschen mit Behinderungen einen ihren Möglichkeiten entsprechenden Arbeitsplatz, um somit Teil der gelebten Inklusion zu sein. Mit dem Ziel der Einbindung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gilt es, Menschen mit Behinderung einen angemessenen Platz in der Gesellschaft zu sichern. An den Standorten in Attendorn, Lennestadt, Olpe und Welschen Ennest begleiten speziell ausgebildete Fachkräfte mehr als 610 Menschen mit geistigen, psychischen oder mehrfachen Behinderungen und Erkrankungen. Für ihre unterschiedlichen Bedürfnisse steht ein vielfältiges Bildungs- und Förderangebot zur Verfügung, um sie für verschiedene Arbeitsbereiche zu qualifizieren. Zusätzlich werden im Rahmen eines jährlich neu aufgestellten Kursprogramms verschiedene Kurse zur Aus- und Fortbildung angeboten, wo auch der „Heiße Draht“ entstand.

Michael Laukant, Diana Stelzmann, Frank Janke, Christian Dettmer und ein weiterer Mitarbeiter waren die Teilnehmer des Kurses und konnten bei Planung und Bau des elektrischen Objekts eigene Ideen einbringen. Nach nur knapp zweitägiger Arbeit präsentierten sie stolz das fertige Ergebnis. „Ich bin gelernte Hauswirtschafterin und hatte von Elektrik bisher keine Ahnung. Nun weiß ich, wie man einen Schaltplan liest, was ein Pluspol und ein Minuspol ist, wie ein Kurzschluss entsteht und dass Spannung die Voraussetzung für den Stromfluss ist“, berichtet Diana Stelzmann begeistert. „Die Aufgaben waren vielfältig“, so Michael Laukant. „Wir haben gelernt, wie man eine technische Zeichnung umsetzt, wie man lötet, den Kupferdraht mit Spannung beaufschlägt und Kabel anschließt. Dabei haben wir auch viel über Arbeitssicherheit erfahren.“

 Frank Janke erklärt den „heißen Draht“: „Man muss mit der Zielschlaufe, die wir am Ende eines Metallstabes befestigt haben, die Kupferdrahtschlange umfahren. Damit der Stab bei der Führung nicht in der Hand rutscht, wurde er mit einem ergonomisch geformten Fahrradlenkergriff umschlossen. Das Umfahren ist nicht einfach, denn wir haben viele Schikanen wie eine Treppe und Kurven eingebaut. Berührt man den Draht einmal, leuchtet die rote Lampe und es wird ein Signal abgegeben. Die Signalisierung und Visualisierung haben wir entsprechend verdrahtet. Berührt man den Draht zum zweiten Mal, ist das Spiel vorbei. Beim fünften Versuch hatte ich den Dreh aus. Man muss schon geschickt sein.“

„Natürlich ist alles völlig ungefährlich und das Modul würde auf jeden Fall von einem Fachmann für Arbeitssicherheit genehmigt“, meint Christoph Duwe. „Die Spannungsversorgung vom Netz wurde auf 24 Volt runtertransformiert, riskant wird es erst ab einer Stromspannung von 60 Volt aufwärts.“

Die gemeinsame Arbeit an dem Bauteil hat allen Teilnehmern Interesse für Elektrotechnik geweckt. Der „heiße Draht“ soll nun in den verschiedenen Abteilungen zum Einsatz kommen, um auch die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Metier zu begeistern. „Am Tag der offenen Tür oder beim Sommerfest können auch unsere Gäste ihr Geschick beweisen“, meint Christian Dettmer. Gut vorstellen könnte sich die Arbeitsgruppe auch, den „Heißen Draht“ für Bildungseinrichtungen, Seniorenheime oder auch interessierte Firmen zu bauen. Denn, so waren sich alle einig, „der ‚Heiße Draht‘ verbindet Lernen und Spaß und fördert neben technischem Verständnis und handwerklichem Geschick auch Reaktion, Motorik, Konzentration und Koordination.“

Weitere Infos über den Caritasverband Olpe unter www.caritas-olpe.de

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